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  • Findelkind Hilfe

Wenn die Babys aus den Bäumen fallen: Erste Hilfe für gefundene Waschbärkinder

Ab Anfang April stellt sich bei den Waschbären der Nachwuchs ein. Die ersten Wochen verbringen die Kleinen geschützt in ihren Kinderstuben. Die Waschbärmütter lassen ihren Nachwuchs öfter mal alleine zurück, da sie nach der Winterruhe und durch das Säugen der Jungen einen erhöhten Energiebedarf haben und so viel Nahrung wie möglich brauchen. In dieser Zeit ist es nicht ungewöhnlich, wenn die Bären auch mal tagaktiv sind.
Da Waschbären Baumhölen bevorzugen und diese oft in alten, toten Bäumen sind, kann es passieren, das ein sicherer Unterschlupf, bei einem Unwetter der Abrißbirne der Naturgewalten zum Opfer fällt. Mit einem mal obdachlos geworden finden die Muttertiere evtl. einzelne Jungen im Sturm nicht sofort wieder.

Es kommt auch immer wieder vor, daß die Mütter mit ihren Jungtieren umziehen müssen, da es zu Störungen in der Nähe des Wurfplatzes kommt. In solchen Situationen kommt es vor, das die Mütter ihre Jungen irgendwo zwischenlagern. Auch fallen zu neugierige, vorwitzige Waschbärkinder beim Blick in die große weite Welt aus der Höhle. Später wenn die Jungtiere nach einigen Wochen mit den Müttern unterwegs sind, um den Ernst des Waschbärlebens zu erlernen, werden die Jungtiere von den Müttern regelmäßig für längere Zeit alleine zurückgelassen, manchmal bis zu zwei Tagen. Man sollte also auf gar keinen Fall vorschnell handeln und einen kleinen Waschbären mitnehmen, wenn man ihn findet. Macht das Jungtier einen regen Eindruck, sollte man sich die Fundstelle merken und alle paar Stunden überprüfen, ob sich die Situation geändert hat. Bei älteren Jungtieren sollte man erst eingreifen, wenn sich nach zwei Tagen nichts verändert hat. Meistens sammeln die Mütter ihre Kinder wieder ein, wenn sie sich sicher und unbeobachtet fühlen.


Was mache ich nun, wenn ich einen oder mehrere dieser hilflosen Zwerge gefunden habe:

Ganz wichtig: warm halten!

Die Babys werden sofort ruhig, wenn sie Körperwärme und den Herzschlag spüren. Ein erster Ersatz für die verlorene Kinderstube kann man schnell aus einem Pappkarton, einer Wärmflasche und ein paar Handtüchern improvisieren. Sollte keine Wärmflasche zur Hand sein, tut es auch eine fest verschraubte Plastikflasche, gefüllt mit warmem Wasser. Wärmflasche (körperwarm) in den Karton (sollte etwa die Hälfte des Kartons einnehmen), Handtücher darüber und ein Handtuch, das man über den Karton legt, um eine sichere Höhle zu simulieren. Ein ruhiger, warmer dunkler Platz beruhigt die gestreßten Jungtiere.

Anders als manche Wildtiermütter, nehmen Waschbärmütter ihre Jungen auch wieder an, nachdem sie von Menschen angefaßt wurden. Gefundene Säuglinge kann man also durchaus in dieser Kistenhöhle nach einigen Stunden zurück an den Fundort bringen und die Mutter wird sie wahrscheinlich wieder einsammeln.

Sollte sich die Lage nach 24Stunden nicht geändert haben kann man immer noch eingreifen. Bei den Kontrollbesuchen kann man die Wärmflasche/Plasikflasche gegen eine neue warme austauschen. Es kann nützlich sein auf dem Karton einen schriftlichen Vermerk zu hinterlassen. Sollten andere Menschen den Karton finden, wissen sie, daß diese Tiere nicht ausgestzt wurden, sondern auf ihre Mama warten. Es ist zu beachten, daß 95% aller vermeintlichen Waisen tatsächlich keine Waisenkinder sind und die allerbeste Hilfe die wir einem kleinen Waschbären geben können, ist ihm ein Leben in Freiheit zu ermöglichen.

Sollte das Jungtier einen schwachen oder apathischen Eindruck machen ist schnelle Hilfe angesagt. Gerade im Säuglingsalter haben die Jungtiere keine lange Überlebenschance. Sie stellen eine leichte Beute für Raubtiere und Hunde dar und erleiden recht schnell Unterkühlungen. Als allererste Hilfe: Das Jungtier warm halten bis sich seine Körpertemperatur reguliert hat.


Was gebe ich dem Kleinen zum Futtern?

Auf gar keinen Fall Kuhmilch, unverdünnte Kondensmilch oder Babynahrung für Menschen! Aufzuchtmilch für Welpen oder Kätzchen ist ideal. Versuchen sie nie einen unterkühlten oder gestreßten Säugling zu füttern, warten sie ab, bis sich seine Körpertemperatur reguliert, das Tier sich beruhigt hat.

Diese gut gemeinte Hilfe endet oft tödlich!

Das wichtigste ist, dem Kleinen Flüssigkeit zuzuführen um einer Dehydrierung (Austrocknung) entgegen zu wirken. Es empfiehlt sich abgekochtes Wasser auf Körpertemperatur abkühlen zu lassen. Man kann es dem Kleinen mit einer Pipette oder Spritze vorsichtig und langsam in den Mund tropfen lassen. Nehmen sie sich Zeit und haben sie Geduld! Die Babys zu etwas zwingen zu wollen bewirkt meist das Gegenteil. Anfangs sollte man dem Findelkind nur geringe Mengen zu trinken geben, damit es nicht zu Überfütterung oder Blähungen kommt (ca. alle 2 Stunden). Dazu kann man in einer Notsituation schon ein paar Tropfen Kondensmilch oder Ziegenmilch dem Wasser zugeben, sofern keine Aufzuchtmilch vorhanden.

Zur Nahrungsaufnahme sollte das Baby eine gemütliche Bauchlage einnehmen, Kopf leicht nach oben. Um die Nahrungsaufnahme anzuregen hilft oft ein Streicheln über Rücken und Nacken. Mit einer Pipette kann man etwas Flüssigkeit auf die Lippen träufeln, um sie auf den Geschmack zu bringen.Wie ein Menschenbaby sollte man den Waschbärsäugling zu einem Bäuerchen aufmuntern. Dies klappt hervorragend mit "über die Schulter legen", wie beim Menschen auch. Danach ist es ganz wichtig den Bauch vorsichtig zu massieren um die Verdauung anzuregen und ein massieren der Genitalien animiert das Urinieren und den Stuhlgang. Man sollte mit der Massage erst aufhören nachdem sich die Tiere fertig entleert haben. Zur Reinigung eignet sich ein lauwarmes Tuch.


Was mache ich dann mit dem Bärchen?

Auf jeden Fall sollten sie so schnell wie möglich einen Tierarzt und/oder eine fachkundige Wildtierhilfe kontaktieren.
So süß die Kleinen Banditen auch sind, es sind keine Haustiere! Machen sie sich schnell kundig, ob sie den Ansprüchen der Waschbärhaltung gewachsen sind. Entscheiden sie rechtzeitig zum Wohle des Waschbären, bevor er ein Problem für sie wird.


Die folgenden Links verweisen auf Seiten mit weiteren Tips zur Aufzucht von Waschbärwaisenkindern:

http://www.sos-raccoon.com/start01.htm
http://www.diewaschbaerenkommen.de/html ... inder.html
http://www.projekt-waschbaer.de/aktuell ... haustiere/
http://www.haustier-anzeiger.de/haustie ... 00171.html

Informationen sowie Hilfe direkt von Waschbärhaltern und Freunden bekommen sie natürlich auch hier in unserem Waschbärforum.


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